Das Wort Gottes

Celina erzählt von ihren Erfahrungen im Kloster auf Zeit – Resümee

Wer ist Gott? Wenn er wirklich existiert, warum geschehen dann so schreckliche Dinge auf der Welt? In Vorbereitung auf die Zeit im Kloster Siessen schwirrten mir jene Fragen ständig durch den Kopf. Da ich aus einem atheistischen Elternhaus komme, hatte ich noch nicht viel über den christlichen Glauben gelernt und war zugegeben etwas skeptisch. Ich kam mit einer Klassenkameradin nach Siessen, um Informationen für unsere Seminarfacharbeit, welche thematisch die Gründe für den Eintritt ins Kloster beinhalten soll, zu sammeln. Mir waren der Tagesablauf und die täglichen Gebete völlig fremd, weshalb anfangs Zweifel aufkamen. Der Austausch am Wort Gottes eröffnete mir jedoch einen anderen Blickwinkel. Ich begann mich auf Gott einzulassen und die Lebensweise der Schwestern zu verstehen. Jeden Tag war ich bestrebt, meine Deutungshypothesen vom Evangelium umzusetzen. Auch wenn dies nicht immer vollständig gelang, blieb doch die Moral. Ich erinnere mich noch an die Schwestern in der Gemüsestube, in der wir mitgearbeitet hatten. Sie sangen Lieder und beteten für alle Menschen der Welt, für die an jenem Tag stattfindende Operation einer Frau sowie für uns und unsere Familien. Ein ganz besonderer Moment während meines Aufenthalts im Kloster, in dem eine unbeschreibliche Nächstenliebe deutlich wurde! Es war ein schönes Gefühl, da wir in einer Zeit leben, in der Gemeinschaft, Liebe, Fürsorge immer unbedeutender scheinen und Egoismus aber auch Gier das Leben prägen.

Während der täglichen stillen Zeit, bei der ich in aller Ruhe über meine gesammelten Eindrücke und Erfahrungen nachdenken konnte, begann ich zunehmend ein Gespräch mit Jesus zu suchen. Die Kapelle im Franziskusgarten bot mir dafür eine idyllische Umgebung. Je mehr ich mit ihm in Gedanken sprach, desto besser konnte ich zu mir selbst finden und für einen Augenblick den schulischen Alltag und die Seminarfacharbeit vergessen. Ein Gefühl der Freiheit und innerlicher Ruhe spiegelte sich fortan in mir wider. Auch heute noch versuche ich das Evangelium täglich zu lesen und im Alltag umzusetzen.  Die Freundschaft mit Jesus hat mir in den vergangenen Wochen geholfen, gesellschaftliche Missstände oder auch persönliche Verluste zu akzeptieren und damit umgehen zu lernen. So hat die Zeit im Kloster Neugier in mir geweckt.

„Ich, Gott, bin bei dir, egal wohin du gehst.“ (Josua 1,9). Diese Worte schenken mir Vertrauen, da ich weiß, dass Gott mir nicht nur im Kloster nah sein konnte, sondern immer da ist, weil wir ihn in unserem Herzen tragen.

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