Alles wird besser – 3. Fastensonntag

Evangelium zum 3. Fastensonntag: Ev: Mt 4,5-42

Alles wird besser – Vertrocknete Quellen beginnen neu zu sprudeln

Die Begegnung mit Jesus ist provokant und skandalös zugleich. Er übertritt in dieser Geschichte gleich mehrere Tabus. Z. B. sucht er Kontakt mit einer Ausländerin und andersgläubigen Heidin, er spricht als Mann mit einer Frau, um seinen Durst zu stillen mit Hilfe eines unreinen Schöpfgefäßes. Jesus ist sich nicht zu schade und hat keine Berührungsängste. Er selbst ist es, der um eine Hilfeleistung bittet. Und damit bietet er der Frau die Möglichkeit an, Gastgeberin zu sein. Indem sie ihm etwas geben kann, erfährt sie in dieser Begegnung eine neue Würde und Wertschätzung. Diese Art Jesu ermöglicht Offenheit und Ehrlichkeit. Die Frau kann auch Schmerzliches von sich benennen, was sie sonst aufgrund von Scham und Selbstvorwürfen vor anderen verschlossen hielt. Sie gelangt immer mehr an den „Grund des Brunnens“, an ihre eigentliche und wahre Sehnsucht. Zunächst geht es lediglich um das Wasser des Brunnens als Grundnahrungsmittel, das wir zum Leben brauchen. Es ist ein Synonym für all das, was wir für unser inneres Leben zutiefst brauchen, um nicht zu vertrocknen. Die Frau öffnet ihr Herz und kann zulassen, dass Jesus seinen Finger auf die Wunde ihres Lebens legt. „Eigentlich habe ich keinen Mann“. Sie öffnet sich für die Wahrheit Gottes, die Wahrheit Jesu. Auch Jesus eröffnet ihr sein inneres Geheimnis „Ich bin es“.

Sie braucht keinen irdenen Krug mehr, den kann sie am Brunnen zurücklassen, als sie ins Dorf eilt. Sie ist selbst zu einem lebendigen Gefäß geworden. Sie wird für die Nachbarn zu einer glaubwürdigen Botin Jesu. Ihr Zeugnis wird für viele eine Brücke zu Jesus. Es ist die erlebte tiefe Erfahrung und Begegnung, die gelebte und erlebte Beziehung mit Jesus, die andere einlädt.

Auch wir haben durch das Wasser der Taufe bereits den Zugang zu jener inneren Quelle erhalten, die Leben schenkt. Es gilt auch für uns, jederzeit die Einladung, zu Jesus zu gehen, uns auf die Begegnung und Beziehung immer wieder neu einzulassen, ihm zu begegnen und in Beziehung mit ihm zu treten – vielleicht in unserem eigenen Gespräch an unserem „Brunnen“-Ort.

Franziskanische Grundhaltung: Geschwisterlichkeit

Die Brüderlichkeit ist ein Kernelement der Lebensweise des Franziskus. Er betont die Gleichheit aller Brüder. Entgegen eines hierarchischen Modells setzt er ein demokratisches und gibt an, dass alle, die ein Amt bekleiden, die Diener der Brüder sein sollen. Auch war es Franziskus wichtig, dass niemand verurteilt wird. Auch bei Verfehlungen waren Barmherzigkeit und Nachsicht für ihn leitende Handlungsweisen. Dies ermöglicht eine Begegnung auf Augenhöhe miteinander.

Impuls für die Woche:

  • Wo hindern Berührungsängste mich an einer echten Begegnung und Interesse aneinander und Fürsorge füreinander?
  • Wo bin ich herausgefordert, die Gleichheit aller Menschen anzuerkennen?
  • Wie gehe ich mit Zerbrochenem/Fragmentarischem in meinem Leben und dem Leben derer, denen ich begegne um?
  • Kann ich es in Wahrheit anschauen und wertschätzen?
  • Wo lockt mich Jesus, Barmherzigkeit zu üben?

Wir freuen uns auf den gemeinsamen Weg durch die Fastenzeit mit Ihnen!
Sie möchten mit einer Schwester ins Gespräch kommen, dann schreiben Sie uns: fastenzeit@klostersiessen.de.
Sr. Christiana Schlotter oder Sr. Anna-Barbara Regnat stehen gerne zur Verfügung.

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