Der Knick in der Optik – 4. Fastensonntag

Evangelium zum 4. Fastensonntag: Joh 9,1-41

Der Knick in der Optik – Mit neuen Augen sehen

Das Evangelium hat bereits früh eine Bedeutung im Zusammenhang mit der Taufe. Das Reinigen im Teich kann als Parallele zur Taufe gesehen werden. Die Fastenzeit ist eine Zeit der intensiven Vorbereitung auf die Taufe, die Tauferneuerung in der Osternacht, in der wir uns neu vergewissern, was uns in der Taufe geschenkt wurde: Das Leben als Kinder Gottes.

Die Heilung selbst wird nur kurz erzählt. Sie ist Anlass für eine dramatische Auseinandersetzung. Bei den Pharisäern erregt sie großes Ärgernis, weil sie gegen das Sabbatgebot verstößt. Es ist tragisch: Im Bemühen ihren Glauben zu leben, sich an die Gesetze zu halten, ihrer Tradition zu entsprechen hindert sie letztlich daran, Jesus zu erkennen. Wo doch gerade diese frommen Männer aufrichtig bemüht waren, den Willen Gottes in allem zu folgen.

Der Blinde hingegen lässt sich trotz seiner Skepsis und der erlebten Ablehnung nicht abbringen von seiner Suche nach Heil und Erlösung. Im Unterschied zu den Pharisäern lässt er sich auf Jesus ein, der das Licht der Welt ist. Er kommt zu einem tieferen Verstehen (vom „Mann, der Jesus heißt“ zu „Er ist ein Prophet“ und „Der Mensch ist von Gott“). Der ehemals Blinde will auch innerlich sehend werden „Wer ist das Herr, damit ich an ihn glaube“ Hierauf offenbart Jesus sich ihm „Du siehst ihn vor dir. Er, der mit dir redet ist es“.  Jesus selbst offenbart sich als der Messias und Heiland. Er ist das Licht der Welt. Der von Blindheit Befreite nimmt die Botschaft an und vertraut Jesu Wort.

Auch wir sind eingeladen, uns für Jesu Licht und Wahrheit zu öffnen und uns ihm anzuvertrauen.  Auch mich fragt er:  „Glaubst du an den Menschensohn?“, Vertraust du, dass ich es gut mit dir meine? Glaubst du, dass ich Wahrheit und Leben bringe? Glaubst du, dass ich dein Heiland und Erlöser bin?

Wie ist meine Antwort?

Franziskanische Grundhaltung: Eine weltbejahende Spiritualität entwickeln

Für Franziskus ist die Menschwerdung ein zentraler Punkt in seinem Glauben und seinem Gottesverständnis: Er staunt über diesen großen Gott, der sich klein macht, sich entäußert, Mensch wird. Durch die Menschwerdung Gottes wird seine Nähe in und sein Ja zu dieser Welt erfahrbar.

Impuls für die Woche:

  • Wie kann ich bewusst mitten in der Welt christlich und mit Gottes Augen leben?
  • Wo ist meine Hinwendung zu Menschen gefragt – auch wenn es Auseinandersetzungen provoziert?
  • Wo in meinem konkreten Leben gilt es Kleines, Geringes zu achten und mein Ja der Liebe dazu zu sprechen?

Wir freuen uns auf den gemeinsamen Weg durch die Fastenzeit mit Ihnen!
Sie möchten mit einer Schwester ins Gespräch kommen, dann schreiben Sie uns: fastenzeit@klostersiessen.de
Sr. Christiana Schlotter oder Sr. Anna-Barbara Regnat stehen gerne zur Verfügung.

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