Das Leben in Fülle

Berufungswort: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ (Joh 10,9)

Ich war mit 16 durch meine Firmvorbereitung in Taizé. Einem Ort in Frankreich, wo jede Woche Hunderte von Jugendlichen aus verschiedenen Ländern und Kulturen zusammen das Leben teilen, sich austauschen und beten. Ich war fasziniert davon, wie die Brüder ganz schlicht, unter den Menschen das Evangelium leben.

Dort bin ich Frère Roger, dem Gründer der Gemeinschaft begegnet. In ihm saß mir ein Mensch gegenüber, der eine tiefe Liebe und Ehrfurcht auf Gott hin ausstrahlte und ich fragte mich: „Wie lebt dieser Mann, dass in seiner Nähe die Gegenwart Gottes aufleuchtet?“

Er zeichnete mir zum Segen das Kreuzzeichen auf die Stirn- mit der Zusage: „ Für Dich gibt es keine größere Liebe als die Liebe zu Christus!“
Nach dieser Begegnung saß ich weinend in der Kapelle, weil ich ahnte, dass diese Zusage eine Wahrheit für mein Leben ist.

Ab diesem Zeitpunkt ging ich bewusst in die Kirche und war in der Jugendarbeit unserer Gemeinde aktiv. In einem Jahr bereitete ich die Firmung mit vor und wir hatten verschiedene Projekte. Unter anderem das Franziskusfest im Kloster Sießen.

Ein Tag vor dem Fest war ich in der Bücherei und entdeckte ein Buch über Orden und Klöster. Ich blätterte darin und machte es gleich wieder zu, denn dies wäre mit Sicherheit kein Weg für mich. Am nächsten Tag war das Fest mit dem Thema: „Die Tür zum Leben!“ Während dem Gottesdienst fiel mir auf einmal das Buch wieder ein und ich dachte mir: „Ich brauche unbedingt dieses Buch, vielleicht ist dass doch ein Weg für Dich!“

In einem weiteren Projekt, führte ich mit einer Freundin zwei Glaubenswochenenden durch. Wir hatten die Begegnung mit einer geistlichen Gemeinschaft eingeplant. Beim ersten Wochenende wurden wir zu einem Rosenkranzgebet eingeladen, welches in verschiedenen Sprachen und in schönen ostkirchlichen Melodien gesungen wurde: englisch, französisch, deutsch, japanisch, italienisch…Das erinnerte mich an die Erfahrung, die ich in Taizé gemacht habe: „ Es ist möglich im Gebet die Völker zusammen zu führen!“

Nach dem Abschluss Gottesdienst des zweiten Wochenendes kam eine Schwester auf mich zu, die ich nicht kannte und sagte sie würde mir gerne etwas mitgeben. Sie wickelte einen Rosenkranz von ihrem Handgelenk ab und legte ihn mir in die Hände. So war in mir eine Freude, die ich mir nicht erklären konnte.
Ich war nun ein halbes Jahr mit der Frage unterwegs, ob es sein kann, dass Jesus mich in eine geweihte Lebensform rufen möchte.
Nach dem halben Jahr traf ich „durch Zufall“, diese Schwester bei einem Begegnungsabend für Afrika wieder. Ich sagte ihr nicht dass ich mich mit dem Thema Berufung auseinandersetze, aber ich fragte sie, warum sie mir den Rosenkranz geschenkt hat.

Sie erzählte mir in einem längeren Gespräch, dass sie ihn in einer Zeit knüpfte, als sie im Zweifel war, ob sie in der Gemeinschaft bleibt und Gott treu sein kann. Als für sie die Entscheidung klar war, dass sie bei Gott und der Gemeinschaft bleibt, hat sie den Rosenkranz von einem Priester auf „geistliche Berufung“ weihen lassen.

In diesem Moment war mir klar, ich habe nicht nur einen Rosenkranz geschenkt bekommen, sondern Gott hat mir die geistliche Berufung in die Hände und ins Herz gelegt und nun habe ich die Freiheit, mich zu entscheiden.

Sr. Angela Maria

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