Was möchtest Du einmal werden?

Bedingungslose Liebe Gottes
Als ich 13 Jahren alt war, nahm ich an der Vorbereitung zu meiner Firmung teil. Im Firmunterricht erzählte unser sonst sehr strenger Pfarrer eine Geschichte,  deren Kernaussage es war, dass Gott jeden Menschen bedingungslos liebt, jeden so wie er ist.
Auf meinem Heimweg hatte ich eine ganz große Freude im Herzen, denn diese Zusage hatte mich tief berührt. Und mein größter Wunsch war es, dass ich DIESER LIEBE Antwort geben wollte.

„Und was möchtest du einmal werden?“
Einige Wochen später bei meiner Firmung fragte mich der damalige Bischof Georg Moser: „Und was möchtest du einmal werden?“ Ich antwortete spontan: „Ich möchte Schwester werden und der Liebe Gottes Antwort geben.“

Durch Zufälle und Fügungen lernte ich mit 15 Jahren die Sießener Franziskanerinnen in Stuttgart kennen und wurde bald nach Siessen zu Besinnungstagen und Exerzitien eingeladen. Diese Begegnungen festigten meine Entscheidung, dass ich wirklich DIESER LIEBE mit meinem Leben Antwort geben wollte. Als ich mit 16 Jahren um die Aufnahme in die Gemeinschaft gebeten habe, wurde mir jedoch deutlich  gesagt, dass ich zu jung sei. Ich war sehr enttäuscht und zog mich zurück.

Berufungsgeschichte der ersten Jünger
Doch ein Jahr später kam in einer Woche dreimal die Berufungsgeschichte der ersten Jünger am See von Galiläa (Markus 1,16 – 20). Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. … Sofort rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.

Ich hatte das Gefühl, dass diese Aussage, das Wort Gottes, mir ganz persönlich gelten würde. Daher ging ich wieder zu der Schwester, die für die Kandidatinnen verantwortlich war, und sagte zu ihr: „Gott will, dass ich hier eintrete“. Und sie schaute mich an und meinte nur: „Das glaube ich auch“.
Und so trat ich mit 17 Jahren in unsere Gemeinschaft ein. In der Zwischenzeit, es sind  bereits 33 Jahre vergangen, bin ich noch immer eine glückliche „Schülerin“ in den Fußspuren des Hl. Franziskus und lerne täglich mehr, wie man das Evangelium leben kann.

Sr. M. Elsbeth

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