Ausgetrickst – und Gott hat doch gewonnen…

„Ich hab‘ was ganz Besonderes mit dir vor.“
So hab‘ ich es im Herzen von Gott gehört, als ich mit 9 Jahren zur Erstkommunion ging. Wie einen Schatz habe ich diesen Ruf und Zuspruch in meiner Kindheit in meinem Herzen bewahrt und gespürt, wie mein Leben Gott gehört und wie sehr er mich liebt. Als ich aber mit 14 oder 15 Jahren zu Hause erwähnte, dass ich nach dem Abitur ins Kloster eintreten werde (denn so hatte ich Gott verstanden), stieß dies auf völliges Unverständnis und die Anfrage, ob ich mir diesen Ruf nicht einfach nur einbilde. Ab da begann ich zu zweifeln, denn ich kannte überhaupt keine Ordensleute und wusste auch nicht, wie diese leben. Von heute auf morgen habe ich beschlossen, dass ich mich irre und habe gar Gott den guten Tipp gegeben, dass er falsch bei mir rausgekommen sei und vielleicht jemand anderen meinte mit seinem Anruf. Die Schulzeit verbrachten wir mit Lernen, Kino, Sport, Weinfesten…, aber auch mit christlichen Freizeiten, bei denen ich sehr geschätzt habe, wie man gemeinsam Glauben leben kann. Ich habe mich immer sehr schnell verliebt und deswegen dachte ich auch, dass ich mich wohl geirrt haben musste mit dem ‚Klosteranruf‘, denn mit meinem Erkenntnisstand von damals passte dies nicht zusammen.

Einer zuviel im Bunde
Dennoch musste ich immer wieder in einer Beziehung feststellen, dass irgendwann einer zuviel im Bunde war. Ich habe Gott stets als einen unaufdringlichen und trotzdem werbenden Verehrer erfahren, der nicht locker ließ, auf seine Art. Vor dem Abi wurde es mir etwas brenzlig, denn eigentlich wollte ich entweder Chirurgin werden oder Theologie studieren. Aber ich hatte Sorge, dass Gott mich dann nicht ‚in Ruhe lassen würde‘. Da ich auch ein bisschen Interesse an BWL hatte, habe ich diesen Studiengang gewählt, im Glauben, dass das nicht so ‚Gottes Bereich‘ sei. Eine Freundin überredete mich, mit ihr die Kar- und Ostertage bei den OMIs in Mainz zu verbringen, da sie nicht alleine gehen wollte. So hatte ich meinen Erstkontakt zu Ordensleuten, den Brüdern und auch einer Sießener Schwester, die mit ihm Team war. Und während dieser intensiven Tage habe ich gemerkt, wie die Bombe in meinem Herzen platzt und ich nicht mehr verdrängen kann, dass Gott es wohl doch ernst meint mit mir. Es kamen etwas kuriose Jahre mit einem Wochenende in der Disco bis morgens um 3, das nächste Wochenende in einem Kloster, um zu sehen, wie es mir dort geht und was solch ein Leben bedeutet. Ich habe immer mehr gefunden, was meines war, konnte aber nicht mein ganzes JA zum Eintritt sprechen. Auch bei der Arbeit in der Organisation und im Projektmanagement eines großen Zeitungsverlags nach dem Studium war Gott mir nahe und blieb bei seinem behutsamen anklopfen. Immer wieder habe ich ihn gefragt, ob er es wirklich ernst meint und manchmal gar versucht, ihn auszutricksen, wenn mir das mit dem Kloster nicht so ‚normal‘ erschien.

Bestätigung schwarz auf weiß
Einmal betete ich in der Kirche nach dem Gottesdienst, dass ich es gerne schwarz auf weiß hätte, dass ich ins Kloster gehen soll und mir insgeheim ins Fäustchen gelacht, da ich dachte, dass das ja nicht möglich sei. Ich bin aus der Kirche heraus getreten und habe auf meinen Bruder gewartet, der ministriert hatte, als mir das (alte) Gotteslob runterfiel, einfach so. Als ich es aufgehoben habe, war es bei der Nr. 70 ‚Der Ordensstand‘ aufgeschlagen: „Geh und verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen. Dann komm und folge mir nach…“

Ausgetrickst
Da habe plötzlich ich mich ausgetrickst gefühlt… Solche humorvollen Geschichten habe ich öfter mit Gott erlebt und dabei gemerkt, dass er es wirklich ernst meint. In einer missionarischen Zeit in Indien waren die 100 % meines JA’s voll und ich wurde mir bewusst, dass ich ganz nach Gottes Willen leben möchte und er den besten Weg für mich kennt. Nun war noch mehr Vertrauen gefragt. Denn ich dachte, wenn Gott mich auf diesen Weg ruft, muss er mir auch eindeutig zeigen, in welche Gemeinschaft ich eintreten solle. Einige Monate später vor dem Gnadenkreuz in der Sießener Kapelle spürte ich, wie Gott zu mir spricht: „Hier und jetzt ist die Zeit.“ Ich bin im Vertrauen auf den richtigen Weg bei den Franziskanerinnen von Sießen eingetreten und bis heute ist jeder Tag neu die Bestätigung, damals die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ich freue mich auf jedes neue Abenteuer mit Gott…

Sr. Tanja Lohr

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