Sr. M. Concordia erzählt aus ihrem Leben
Ein Rückblick auf viele Lebensjahr kann unter verschiedenen Aspekten erfolgen, besonders wenn das Leben allerlei Prägungen hinterließ und auch das Spüren davon, daß einer - der Schöpfer allen Lebens - "seine Hand im Spiele hatte."
So stelle ich an den Anfang der bruchstückhaften Erzählung Worte aus dem Psalm 138 (139):
"Herr, Du prüfest und kennest mich, wo ich sitze und stehe, weißt Du um mich. ... Deine Hand hast Du auf mich gelegt":
Wie ein roter Faden durchziehen diese Worte mein Leben, ob dies im Stillen für den Weg in das franziskanische Ordensleben geschah oder in lebensbedrohlichen Situationen, wie z.B. als ein sonst friedlicher Wolfshund mich Zehnjährige wie eine gierige Bestie überfallen hat, ober ob ich gegen Kriegsende mit einem Pferdefuhrwerk in einen Tieffliegerangriff kam.
Im Januar 1924 bin ich geboren, in einem Weiler mit dem ehrenwerten Namen "Frauenlob", Gemeinde Hauerz. Im April 1930 begann die Schulzeit. Mit Begeisterung marschierte die kleine Karolina täglich 3 km zur Volksschule Hauerz. Da entstanden die ersten Kontakte zu 3 Sießener Schwestern, besonders mit der "Schulschwester" M. Canisia, der die Erst- und Zweitklässler anvertraut waren. Sie war beliebt, im Unterricht konsequent und baute unmerklich mit am religiösen Fundament. Vielleicht fiel schon damals ein klösteriches Samenkorn in meine Seele.
Mit 10 Jahren kam ich in die Einöde "Wolfwinkel" zur Großmutter, bei der noch 3 ledige Geschwister meiner Mutter lebten.Der Fußmarsch zu Kirche und Schule in Hauerz führte rund 45 Minuten über Feld-, Wald- und Wiesenwege. Ganz bewußt lernte ich dabei die Natur kennen und lieben.
Das religiöse Fundament wurde in den letzten Schuljahren und in der Jugendzeit stark erschüttert. Infiziert von den politischen Strömungen des "Dritten Reiches", geriet ich in meiner Begeisterung für Hilter öfters in Konflikt mit Verwandten und Bekannten. In mir selbst bauten sich Konflikte auf - denn da konnte doch etwas nicht stimmen - wie sich die Machenschaften des Nationalsozialismus antikirchlich und unmenschlich auswirkten.
In diese Zeit hinein fällt ein anderer Anruf. Mit 13 Jahren kam ich aus der Schule. Im Dezember dieses Jahres 1937 fand in der Pfarrei ein Missionstag statt. In einer Ansprache des Priesters über Priester- und Ordensberufe fielen dabei die Worte: "Bist du, Mädchen und du, junger Mann, nicht auch gerufen zu solchem Leben!" Diese Worte schlugen Wurzeln.
Der Weg ins Kloster führte aber noch in Höhen und Tiefen durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges, mit seiner Parole: Alles für Führer, Volk und Vaterland. Ich selbst wurde zu einem größeren Bauern dienstverpflichtet. Bald trafen Hiobsbotschaften ein: ... für Führer, Volk und Vaterland den Heldentod gestorben. Diese Nachricht traf unsere Familie bezüglich meiner 3 Stiefbrüder. Meine 3 richtigen Brüder mußten nacheinanader einrücken, der jüngste mit 15 Jahren. Sie blieben am Leben, kamen heim mit gesundheitlichen Schäden (der letzte starb 1991).
Nach Kriegsende im Mai 1945 konnte ich mein Dienstverhältnis nicht lösen, sondern erst im September 1947, als die 5 Kinder des Bauern teilweise arbeitsfähig waren. Am 1. Oktober trat ich dann im Kloster Sießen ein. Erste Einübungen ins Ordensleben sowie die Ausbildung zur Lehrerin füllten die Zeit der Kandidatur. Von franziskanischem Geist angeregt ersehnte ich die EInkleidung 1955 und die Profeß 1956. Mit Freude und Dankbarkeit war ich an unseren Schulen tätig, davon 27 Jahre an der Realschule St. Elisabeth in Friedrichshafen. Das franziskanische Ordensleben war dabei sehr intensiv. - Im Herbst 1992 kam der Abschied aus dem Schulleben. Seitdem bin ich im Kloster Sießen. Verschiedene Tätigkeiten, Gebet, Meditation und Ruhe füllen die Tage. Gott sei Lob und Dank für allen Schutz und seine Weisung zum Leben als Franziskaneirn.
Januar 2010 Sr. M. Concordia

