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Geistlicher Impuls – Wort der Woche

Palmsonntag 2020

Mt 21, 1-11 (Jesu Einzug in Jerusalem – zur Palmprozession)
Mt 26,14-27,66 (Passion)

Es sind Wegerfahrungen, die wir in den heutigen Evangelien lesen. Und es ist in der Liturgie vorgesehen, dass die Gemeinden auch eine Wegerfahrung machen.

Nachdem man ja in den eigenen vier Wänden bleiben soll (abgesehen von notwendiger Bewegung draußen) lade ich Sie zu einer Wegerfahrung in Ihrer Wohnung ein. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: Sie laufen da wirklich herum – was derzeit schon mal erfrischend sein kann – oder Sie skizzieren Ihre Wohnung und gehen darin sozusagen mit den Fingern spazieren. Dabei können Sie auch schreiben…

Jesus zieht in Jerusalem ein. Und er kommt nicht zu Pferde, sondern reitet auf einem Esel. Er kommt nicht mit dem großen extralangen Auto mit Chauffeur und schon gar nicht mit dem Panzer, sondern er fährt mit dem Fahrrad ein. Und er will auch noch einmal tiefer in unser Leben kommen. Er will in unser „Jerusalem“ kommen, dorthin wo wir leben, dorthin wo wir einkaufen, spielen, reden, schweigen, Spaß haben, wo wir Angst haben, uns streiten, essen… und dorthin wo wir beten.

Er kommt also an unsere Tür (an die Haustür, die Wohnungstür, die Tür unseres Bewusstseins): Dort läutet er oder klopft an. Nein, er bricht nicht ein, sondern er wartet so lange, bis wir ihn hereinlassen wollen. Jesus fragt uns, in welche Bereiche er noch kommen darf. Ein paar „Bausteine“:

Baustein für die Woche und für die eigene Palmprozession

  • Darf Gott dabei sein, wenn Sie die Schuhe aus- oder anziehen, die Jacke… darf er mitmischen, wenn Sie sich also für die Öffentlichkeit „rüsten“ oder wenn Sie Ihr Öffentlichkeits-Gesicht ablegen?
  • Darf Jesus mit in die Küche kommen – auch vielleicht in Ihre „Hexenküche“, in der Sie ihre Zuneigungen und Abneigungen zubereiten und manchmal selbst darin kochen?
  • Darf er „Ihre Suppe“ auch mit Ihnen auslöffeln? Oder hat er erst Zutritt, wenn alles wieder sauber ist?
  • Darf er es sich mit Ihnen gemütlich machen – das stößt die Frage an, ob es für Sie in Ordnung ist, dass Sie es mal gemütlich brauchen und dass diese Zeit auch endet…?
  • Und das Schlafzimmer – hat Gott auch da Zutritt?… Auch in ihre unbeobachteten Momente?
  • Und darf er auch dorthin wo der Müll anfällt? Darf er sich um das kümmern, was unvollkommen, übel, daneben ist… darf er sich sogar um Ihre Sünde kümmern?

Die Menschen in Jerusalem haben ihn als Herrscher begrüßt und sie haben geschrien – „Ans Kreuz mit ihm! Beides lebt in Jerusalem, in unseren Wohnungen in uns als Person: Die Liebe zu Gott und auch unsere Unfähigkeit zu lieben, der Argwohn, unser Besser-Wissen, die Anklage… Und beides kann an die Oberfläche kommen. Gott wird sicher damit fertig, besser als wir.

 

Ein Nachtrag:

Vielleicht können Sie in Ihrer Gemeinde geweihte Palmzweige haben, vielleicht aber auch nicht.
Aber deswegen müssen Sie nicht auf das Zeichen verzichten, nicht auf das Zeichen zu ihrer privaten Palmprozession und auch nicht für Ihre Kreuze in der Wohnung.

Wenn Sie im Garten oder im Wald Immergrün finden, schneiden/pflücken Sie sich einen Zweig oder mehrere ab. Vor Ihrer Palmprozession können Sie diese Zweige dann segnen, als Anregung unten stehendes Gebet – und wenn Sie haben, mit Weihwasser bespritzen:

 

Gebet aus dem Schott
Allmächtiger Gott, am heutigen Tag huldigen wir Christus in seinem Sieg und tragen ihm zu Ehren (grüne) Zweige in den Händen. Mehre unseren Glauben und unsere Hoffnung, erhöre gnädig unsere Bitten und lass uns in Christus die Frucht guter Werke bringen. Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

Abgewandelte Form
Gott, dessen Macht so gut ist, heute erst recht wissen wir, dass Christus siegen wird. Deswegen haben wir Zweige gesammelt. lass uns verbunden mit vielen anderen mit Mut glauben und hoffen. Und rüttle uns auf, dass wir gut sind und auch so handeln. Darum bitten wir…

Das Wort der Woche kommt diesmal aus Stuttgart-Degerloch.

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