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2. Woche in der Fastenzeit

Die Frau am Jakobsbrunnen – von Fülle Versprechendem

In der Erzählung der Frau am Jakobsbrunnen gibt es einen Satz, der auf die verschiedensten Arten ausgelegt worden ist. An einem bestimmten Punkt der Erzählung fordert Jesus die Frau auf, geh hol deinen Mann…. Und sie erwidert: Ich habe keinen Mann. Dazu muss man wissen, dass das aramäische Wort Baal sowohl Ehemann als auch Götze bedeuten kann.
Die Frau hat also lange gesucht, aber immer noch nicht gefunden, was sie im Letzten erfüllt. Das ist die biblische Definition eines Götzen: etwas, das Fülle verspricht, aber einem mit einem schalen Geschmack im Mund zurücklässt; etwas, das dieses Versprechen im Letzten nicht halten kann. Das wirkt sich auf die Dauer destruktiv aus.

Auch in sich gute Dinge können sich zu Götzen entwickeln, wenn wir ihnen zu viel Macht über uns geben. Selbst eine Frömmigkeit, die sich vor allem an der Leistung orientiert, kann ein Götze sein….

Ignatius von Loyola nennt das Erkennen solcher „Götzen“ Unterscheidung der Geister.
Nach einer Verwundung wurde er im Haus eines Verwandten untergebracht, in dem nur wenige seiner geliebten Ritterromane vorrätig waren. So griff er notgedrungen nach einer Sammlung von Heiligenlegenden. Nach einer Weile merkte er, dass er die Ritterromane begeistert verschlang, aber nachher mit einem unbefriedigten Gefühl zu kämpfen hatte. Die Heiligenlegenden las er notgedrungen – mit wenig Begeisterung – hatte aber nach der Lektüre ein Gefühl von innerem Frieden. Bis heute wird die Frage, ob etwas lebensfördernd oder lebenshindernd ist als eine der Grundlagen der Unterscheidung der Geister angesehen.

Mögliche Anzeichen, dass ich etwas oder jemandem zu viel Macht über mich gebe, können sein:

  • Ich werde unruhig, wenn ich es über eine bestimmte Zeit nicht zur Verfügung habe
  • Ich opfere ihm einen großen Teil meiner Energie, ohne dass Energie zurückfließt
  • Wenn ich mit einer entsprechenden Tätigkeit fertig bin, fühle ich mich ausgelaugt, obwohl ich mir ein Glückserlebnis (Flow) erhofft habe.
  • Um auf den gleichen Stand des Glückgefühls zu kommen, muss ich immer mehr einsetzen…
  • Es verleitet mich zu einem Tunnelblick. Wenn ich wieder auftauche, habe ich das Gefühl, die Zeit vergeudet zu haben.

Die Fastenzeit dient auch dazu, uns von den Dingen abzuwenden, die uns in diesem Sinn das Leben rauben.
Was könnten meine ganz persönlichen „Götzen“ sein, die ich in der Fastenzeit zugunsten einem „mehr“ an Leben hinter mir lassen möchte?

Gedanken von Sr. Elisabeth Bäbler

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